Was zuletzt geschah (3)

Nachdem sich jetzt hoffentlich alle Gutmenschen und verschnupften Journalisten hinreichend aufgeregt haben, insbesondere über den Brexit und The Donald, den neuen Schutzheiligen des rechtschaffenen amerikanischen Arbeiters, kann man langsam einen Schritt zurücktreten und die Gesamtsituation betrachten. In diesem Beitrag erwarten uns die ultimativen Erkenntnisse zu den jüngsten Geschehnissen. Andere Medien müssen anschließend nicht mehr konsumiert werden, was eine enorme Zeitersparnis bedeutet.

Der Trend, sich hinter den eigenen nationalen Gartenzaun (oder, wenn das Geld reicht, am besten sogar hinter eine stabile Mauer) zurückzuziehen, erfasst neuerdings auch Länder, von denen man das bisher nicht gewohnt war. Der eigene Vorgarten erscheint plötzlich selbst „starken Nationen“ kontrollierbarer, als die große weite Welt.

Durchaus logisch, wenn man das Scheitern der Globalisierung aus Sicht der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung betrachtet.

Durchaus logisch, angesichts des Scheiterns jener Politiker und Militärs, die „Frieden schaffen mit mehr Waffen“ propagierten, dann aber verwundert feststellen mussten, dass die anderen plötzlich auch mehr Waffen besaßen.

Allerdings durchaus unlogisch, angesichts der Tatsache, dass die grundlegenden Schwierigkeiten heutzutage nun mal globaler und eben nicht nationaler Natur sind und eigentlich auch auf dieser Ebene gelöst werden müssten.

Das Rad der Geschichte zurückzudrehen, weil früher alles irgendwie besser war, stellt eine simple, fast kindliche Reaktion, auf ein Gefühl der Überforderung dar. Die Wahlen in Frankreich könnten die nächste große Erschütterung für Europa bringen. Außerdem wählen dieses Jahr noch die Niederlande ‒ ebenfalls ein Kandidat für unangenehme Überraschungen. Ach ja, und nicht zu vergessen: Der deutsche Koloss, der momentan noch als Insel der Begüterten und Privilegierten in der Mitte des Kontinent ruht, blickt ebenfalls mit einem sorgenvollen Auge auf den kommenden Wahlherbst. Dabei ist die AfD nicht etwa solch ein Angstgegner, weil sie so gut wäre, sondern weil die anderen Parteien so schlecht sind.

Mal ehrlich: Ich bin ratlos, was man in Deutschland noch wählen kann. Die Gängelungs- und „Alles-verbieten-Partei“ SPD, mit Ihrer albtraumhaften MinisterInnen-Riege, mit ihren Gender-Lügen, mit ihren Anschlägen auf die zarte deutsche Kultur der Selbstständigkeit, mit ihren Bemühungen zur Demontage der freien Meinungsäußerung (mehr dazu weiter unten)?

Oder lieber die selbstgefälligen, satten Grünen, die sich nach allen Seiten offen halten, weil aus ihrer Perspektive plötzlich alles irgendwie grün aussieht, was Regierungsbeteiligung verspricht? Den „Hauptsache-regieren-Weg“ hatte eigentlich die FDP schon ausprobiert. (Für die Jüngeren unter uns: Das war damals die Partei von Genscher und so … ).

Oder die CDU als Garant dafür, dass im eichenlastigen deutschen Wohnzimmer alles immer schön gemütlich bleibt?

Und jetzt soll Martin Schulz den Umschwung in Deutschlands Seele bewirken? Ausgerechnet ein lebenslanger EU-Bürokrat soll bei Jung und Alt das Feuer der Begeisterung entfachen?

Weitaus attraktiver erscheint dagegen ein Studium der „dritten Verordnung zur Änderung der vierten Neufassung der EU-Richtlinie zur maximalen Länge des mittleren Zackens von Mistgabeln in Betrieben mit weniger als fünf Vollzeitbeschäftigten.“

Nein, danke! Eine wirkliche Alternative für Deutschland ist weit und breit nicht in Sicht.

Und schlimm … schlimm … schlimm: schmerzvoll wie immer, der traurige Zustand der links-beseelten politischen Kräfte in Deutschland, denen ich mich doch eigentlich verbunden fühle. Die unsägliche politische Korrektheit, die absurde Genderideologie, die weltfremden Diskussionen um abstrakte Scheinprobleme, die anscheinend nur in Unihörsälen, aber nirgendwo sonst in der bekannten Welt auftreten, machen die entsprechenden linken Kräfte, wie man an den Wahlergebnissen leider sieht, für einen relevanten Anteil der Bevölkerung unwählbar.

Wir sind es ja selbst schuld, wenn sich linke Polit-Gruppen so häufig als diejenigen erweisen, die am verbohrtesten, mit der geringstmöglichen Offenheit des Geistes, am wenigsten zu Problemlösung fähig und mit den dicksten Scheuklappen herumlaufen. Das war auch schon oft genug Thema auf diesem Blog.

Die an der Oberfläche tolerant wirkenden linken Bewegungen, die ein scheinbares Verständnis für alle möglichen Wunderlichkeiten zeigen, die in einer Person zutage treten können, sehen zunächst aus, wie ein Platz, an dem „man sein kann“.

Leider lösen sie dieses Versprechen nicht ein, sondern erweisen sich bei näherem Hinschauen als ein äußerst rigides Umfeld ‒ fast unfähig zu Kompromissen und pragmatischem Handeln. Oftmals ein Sammelbecken für schwierige Menschen, die hier an der falschen Stelle ihre persönlichen Dramen ausleben.

Zu einem großen Teil sind Trump und seine Freunde in aller Welt das Ergebnis dieser Unfähigkeit der Linken, sich zu einer glaubwürdigen Alternative zu vereinen.

Natürlich sind sie auch das Ergebnis von vielen Jahren des ungebremsten Neoliberalismus, der die bisher ungerechtesten Gesellschaften der Neuzeit erschaffen hat. In Deutschland unter dem Namen Agenda 2010 bekannt, mit der sich die SPD als Juniorpartner und „Merkel-Wahlverein“ für die großen Koalitionen der Zukunft empfahl.

Und sie sind das Ergebnis der Unterwerfung unserer Alpha-Medien unter die herrschende Ideologie. Letztere versuchen derzeit, den Begriff „postfaktisch“ als neues Schimpfwort zu etablieren, um ihr Versagen herunterzuspielen. Mit der stillschweigenden Implikation, dass sie selbst natürlich über die Fakten verfügen. Manchmal mag das durchaus stimmen, aber dann stellt sich die Frage: Warum verbreiten sie diese Fakten nicht, sondern färben die Wirklichkeit ständig mit politisch opportunen Meinungen und „Stimmungs-Bildern“ ein?

Das hier soll keine Journalistenschelte werden. Fast alle Redaktionen sind personell so ausgedünnt, dass ein verantwortungsvolles Arbeiten gar nicht mehr möglich wäre, selbst wenn man es wollte.

Die durchdringende Macht des „Bösen“

Aber all dies ist vielleicht das Geheimnis der durchdringenden Macht des neu entstehenden Nationalismus: Er hat zahlreiche Ursachen, zahlreiche Väter und Mütter aus sehr unterschiedlichen Familien. Er ist ein Ergebnis jener Kraft, die stets das Gute will, das Böse schafft.

Die Probleme der Welt wird er nicht lösen können. Es wirkt beispielsweise schon fast tragikkomisch, wie Trump das Thema Arbeitsplätze zu seiner zentralen Botschaft macht, während sich alle Fachleute einig sind, dass es so etwas wie Arbeitsplätze in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird, weil die gesamte westliche Welt darauf hinarbeitet, diese durch Roboter und künstliche Intelligenz zu ersetzen. Das ist keine Science-Fiction und ich mache mir hier gar nicht mehr die Mühe, Quellen für diese Entwicklung anzuführen, weil sich mühelos mit jeder Internetsuche unter den Stichworten „Automatisierung, Roboter, künstliche Intelligenz usw.“ eine Vielzahl davon finden lässt. Der „arbeitende Mensch“ ist ein Auslaufmodell. Das ist die wahre Herausforderung, der wir uns zu stellen haben.

Aber ich will auch Trump nicht als Sündenbock aufbauen. Das erledigt derzeit schon der größte Teil der publizierenden Weltgemeinschaft. Die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftswoche (03. Februar 2017) ist beispielsweise vom Editorial über die Leitthemen bis zu den Kolumnen, zu einem großen Teil der Beschimpfung von Donald Trump gewidmet. Ratlosigkeit und Panik sind in fast jedem Beitrag spürbar.

Trump ist keine Ursache, sondern ein Symptom, und ich finde ihn nicht so furchtbar viel schlimmer als die Gestalten, die uns derzeit regieren.

Übrigens sind manche seiner Bücher durchaus lesenswert, auch wenn Sie von Titel und Cover in der gewohnten Art … nun ja, sagen wir „ausgeprägt selbstbewusst“ … rüberkommen. Aber die eigentlichen Inhalte sind viel vernünftiger und gemäßigter, als die äußere Aufmachung vermuten lässt.

Auf jeden Fall hat er uns eindrucksvoll vorgeführt, wie man eine Revolution gegen alle etablierten Kräfte anzettelt und durchsetzt. Und ich hoffe, dass es ihn bald auf DVD gibt, denn jeden Tag nachzuschauen, was er heute wieder angestellt hat, ist derzeit zwar leicht, wird aber spätestens dann eine Menge Zeit kosten, wenn die Medien langsam das Interesse an ihm verlieren und sich wieder auf andere leicht erklärbare Bösewichte einschießen.

Dass Demokratie ‒ als Herrschaft des Volkes ‒ zu unerwünschten und ungeplanten Wahlergebnissen führen kann, hätte sich das herrschende System jedenfalls in seinen schlimmsten Albträumen nicht ausgemalt. Und darauf reagiert jetzt die gesamte europäische Politprominenz wahlweise mit einer Art Schockstarre oder dem pfeifen im Walde.

Ursachenforschung

Und jetzt muss das herrschende System natürlich ganz, ganz schnell herausfinden, woran es liegen mag, dass in letzter Zeit immer alles so furchtbar schief läuft.

Die Möglichkeit, dass es am System selbst liegen könnte, stellt natürlich keine Option dar. Ist ja klar.

Also müssen schnell mal das Internet und dessen geheimer dunkler Herrscher, Wladimir Putin herhalten ‒ im Nebenjob auch als einflussreicher russischer Politiker tätig. Denn russische Hacker, die als sozialversicherte Minijobber angeblich für besagten Putin arbeiten, scheinen eine schlimme Bedrohung zu sein, weil sie unsere ganze Gesellschaft mittlerweile mehr oder weniger nach Belieben steuern und sämtliche Wahlergebnisse auf der ganzen Welt über eine Art Nintendo-Konsole regulieren (ein Foto dieser Konsole liegt der Redaktion vor).

Fast blind vor Panik, beeilt man sich, mit heißer Nadel Maßnahmen gegen „Fake-News“ zurechtzuzimmern.

Für diejenigen, die mit dem Begriff „Fake News“ noch nicht vertraut sind:

Auch wenn dies der spontane erste Gedanke sein mag und alle Beobachtungen dafür zu sprechen scheinen, sind damit trotzdem auf gar keinen Fall ARD und ZDF gemeint!

Vielmehr ist Fake News alles, was wichtige Politiker, Journalisten und Talkshow-Moderatoren nicht gut finden. Prima orientieren kann man sich dabei an der Türkei, die derzeit in Europa führend und sehr erfolgreich in der Bekämpfung von Fake-News ist.

Der Verbreitung von Fake-News verdächtig, sind die sozialen Medien und im Grundsatz jedes andere Outlet, auf dem man sich relativ frei äußern kann. Sogar Facebook soll gezwungen werden, ein Warnzeichen an Meldungen anzubringen, die als „unrichtig“, irgendwie zweifelhaft oder unerwünscht gelten. Ich vermute, dieses Zeichen wird ein weißes f (f wie fake) auf blauem Grund sein.

Ein praktisches Beispiel: Handelt es sich bei der Meldung, Martin Schulz sei neuer Kanzlerkandidat der SPD um Fake News? Siegmar Gabriel soll angeblich gesagt haben, er könne es weder bestätigen noch dementieren. Vielmehr wolle er dies erst entscheiden, wenn das amtliche Ergebnis der Bundestagswahl vorläge. Es bleibt also spannend in der Medienwelt und was Fake News ist und was nicht, lässt breiten Raum für unterschiedliche Interpretationen offen. Fake-Interpretationen, genauer gesagt.

Falls man sich zukünftig also unsicher ist, ob es sich bei einer Meldung, die man verbreiten möchte, um Fake-News handelt, empfiehlt sich eine vorherige Anfrage bei der amtlichen Fake-News-Kommission, die es bis dahin sicher geben wird.

Ach ja, und noch etwas: Der Feind lauert an vielen Fronten! Es gilt ganz dringend, den Populismus zu bekämpfen. Populismus ist, Zitat Fremdwörter-Duden, eine:

“… von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen.

Äh … Moment mal …

Ja, genau. Auch nur so ein Totschlagwort, das jede sachliche Auseinandersetzung mit den Positionen der Gegenseite vermeiden hilft.

Es wird langsam überdeutlich, wie rings um uns Zäune und Mauern aus Denkverboten hochgezogen werden. Populistisch, postfaktisch, politisch unkorrekt darf keiner mehr sein. Da wird von selbsternannten Gutmenschen gerade so getan, als stünden sie auf Seiten der Vernunft, während sie direkt oder durch Untätigkeit unsere wahrhaftig postfaktische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung unterstützen.

Auf keinen Fall darf sich jemand in seinen Werten belästigt fühlen, durch Menschen, die diese Werte mit Füßen treten, auf keinen Fall darf jemand die angebliche Benachteiligung von Frauen in Frage stellen, obwohl sie sich schon lange in ihr Gegenteil verkehrt hat, auf keinen Fall von Unterschieden zwischen Menschen reden, auf keinen Fall anzweifeln, was die Tagesthemen senden.

Trump hat auch deshalb eine solche Erschütterung ausgelöst, weil er sich um all das nicht scherte und trotzdem erfolgreich war, weil er es teilweise sogar als Sprungbrett nutzte. Ein Zeichen dafür, wie sehr die breite Masse die offiziell abgesegnete Interpretation der Realität satt hat und wie schädlich es ist, selbstständiges Denken und kritisches Hinterfragen der offiziellen Wirklichkeit mit gesellschaftlicher Ächtung zu sanktionieren und durch eine weltfremde virtuelle Realität zu ersetzen, die ihren Anfang in Unihörsälen nimmt und sich später in der Politik fortsetzt.