Die Verteidigung der Redefreiheit

Früher, als wir alle noch jung und naiv waren, dachten wir, das Internet könnte das perfekte Instrument für den Austausch unterschiedlicher Argumente werden. Und aus diesem Austausch, an dem sich demokratischerweise alle beteiligen dürfen, würde sich dann die klügste und beste Variante der Wirklichkeit manifestieren.

Das Gegenteil ist der Fall. Gleichgesinnte sammeln sich in Netzwerken Gleichgesinnter und sind dort überwiegend … nun ja, … ziemlich gleich gesinnt. Auch die Technik unterstützt dies nach Kräften, indem sie uns überwiegend nur noch das zeigt, was wir laut ihren Algorithmen gerne sehen wollen. Weil es ja angeblich so gut zu uns passt. So entstehen die bekannten Filterblasen oder Echokammern, in denen wir uns bewegen.

Die kontroverse Meinung ist schnell verdächtig. Ja, fast scheint es, als käme zunehmend die Fähigkeit abhanden, andere Meinungen überhaupt noch zu ertragen.

Daraus entstehen Begriffe wie „Mikroaggressionen“, die Forderung nach „Safe Spaces“ oder die „Triggerwarnungen“ amerikanischer Professoren, die sie vor ihren Vorlesungen aussprechen müssen, um zu vermeiden, dass sich jemand von kontroversen Aussagen in seiner sensiblen Seele getroffen fühlen könnte. Alles Bemühungen, Menschen im Allgemeinen und Frauen im Besonderen zu hilflosen, schutzbedürftigen Opfern zu erklären und ihnen die Kraft zu selbstständigem Denken und ihre Lebensfähigkeit zu rauben.

So finden sich im Netz dann auch prompt selbst ernannte Sittenwächter/innen, die sich berechtigt fühlen darüber zu entscheiden, welche Meinungen geäußert werden dürfen und welche nicht. Abweichende Ansichten werden dämonisiert und, je nachdem, wie es gerade am besten passt, als rechtsradikal, als linksradikal oder als „Hate Speech“ gebrandmarkt. Ein Musterbeispiel für die dabei auftretende Bewusstseinsspaltung sind die hauptberuflichen Empörungsprofis/Innen des sogenannten „Netzfeminismus“, die sich zunehmend von „Hate Speech“ verfolgt fühlen, oftmals aber selbst äußerst gewalttätig auftreten. Und mit Demokratie hat das schon gar nichts zu tun, sofern man darunter nicht die Bevormundung der Mehrheit durch eine ideologisch verblendete Minderheit versteht.

Nun nimmt sich zu allem Überfluss noch ‒ man hatte es schon befürchtet ‒ die Politik des „Problems“ der Hate Speech an. Federführend betrieben von den Ministerinnen und Ministern der sozialdemokratischen „Alles-verbieten-Partei“ glaubt man wieder einmal, die Bevölkerung vor sich selbst schützen zu müssen. Wie die Geschichte lehrt, geht so etwas nur selten gut aus. Für die Bevölkerung.

Und das ist für mich die Überleitung zum Artikel von Niels-Arne Münch auf Telepolis, der sich scharfsinnig und umfassend der Verteidigung der Redefreiheit widmet und den ich zur Lektüre empfehle: Zum Beitrag