Die gefährlichste Suchmaschine der Welt

Der Hype um das „Internet der Dinge / Internet of Things“ steht gerade erst am Anfang. Scheinbar eröffnet sich eine Welt unbegrenzter Möglichkeiten. Und unbegrenzte Möglichkeiten wecken erfahrungsgemäß unbegrenzte Begehrlichkeiten. Eine neue Dimension von Unbegrenztheit bietet nun eine spezielle Suchmaschine, von der hier die Rede sein soll.

Internet of Things, das heißt: Unser Kühlschrank bestellt den zur Neige gehenden Sojadrink und andere nützliche Sachen selbstständig beim Händler. Deine Smartwatch macht sich große Sorgen um deine Leberwerte und rät vorsichtshalber der Krankenkasse, deinen monatlichen Tarif zu erhöhen. Mein Wecker bittet die Badezimmerheizung eine halbe Stunde vor dem Wecktermin, die Raumtemperatur auf mein individuell bevorzugtes Niveau zu bringen. Zwei Minuten nachdem er geklingelt hat, schnellt die vordere Hälfte des Bettes automatisch hoch und ich finde mich auf dem Teppich wieder.

Die Vision in Kürze: Alles ist mit allem verbunden und alles kommuniziert mit allem. Eine ausführliche, empfehlenswerte und anschauliche Präsentation ist hier zu finden: Internet of Things

Ähnlich wie beim Hype um den 3D-Druck, geht es also um disruptive Technologien. Neuerdings muss ja jede Technologie, die etwas auf sich hält, disruptiv sein. Disruptiv heißt, sie bietet den early birds gewaltige Verdienstmöglichkeiten, weil sie die bisherige Verfahrensweise als überholt erscheinen lässt. Um nur ganz kurz abzuschweifen: Auch der 3D-Druck ist mittlerweile wieder irgendwie überholt, denn jetzt gibt es schon den 4D-Druck. Die vierte Dimension ist die Zeit. Es geht dabei um Produkte, die auch noch nach der Produktion ihre Form verändern. Das kann beispielsweise ein per 4D-Druck hergestelltes Organ sein, das sich beim Einwachsen in den Körper des Empfängers an dessen individuelle Gegebenheiten anpasst.

Nach der fünften Dimension wird natürlich schon intensiv geforscht.

Bleiben wir im Feld der Medizin, wenn wir gerade schon mal dort sind. In letzter Zeit gab es diverse Nachrichten, dass Krankenhäuser von Hackern erpresst wurden, welche die Kontrolle über dort miteinander vernetzte medizinische und andere Geräte übernommen hatten. Ein amerikanisches Krankenhaus gab den Erpressern nach und zahlte 40 Bitcoins Lösegeld für die Freigabe der eigenen IT. Ein deutsches Krankenhaus verweigerte die Zahlung und griff lieber auf die gute alte Karteikarte zurück, bis die Trojaner entfernt waren. Bei diversen Experimenten gelang es Hackern, beispielsweise die Kontrolle über ein Beatmungsgerät zu übernehmen und die manuelle Bedienung durch das Krankenhauspersonal zu verhindern. Ein Experte von Kaspersky Labs hackte sich testweise mit dem Einverständnis seines örtlichen Krankenhauses in die IT ein und übernahm die Kontrolle über einige Geräte. Hier der Bericht: How I hacked my hospital.

Es war noch nie eine gute Idee, sich in ein Krankenhaus einliefern zu lassen. Neben ärztlichen Kunstfehlern und multiresistenten Keimen muss man nun also auch noch damit rechnen, dass ein Hacker mitten in der Operation die künstliche Beatmung abschaltet.

Dies legt den Finger mitten in die Wunde der Vision totaler Vernetzung. Ich will kein Spielverderber sein, aber das neueste Spielzeug der Menschheit, die Multimilliarden-Dollar-Maschine Internet of Things wird niemals funktionieren. Der Grund ist simpel: Hacker sind nicht weniger intelligent als Programmierer. Teilweise mag es sich sogar um die selben Personen handeln.

O.k. – nach der für diesen Blog üblichen, langatmigen Vorrede, wird nun endlich das Geheimnis gelüftet, welche Suchmaschine den Titel „gefährlichste Suchmaschine der Welt“ für sich in Anspruch nehmen kann. Es handelt sich um die vom jungen IT-Experten John Matherly entwickelte Suchmaschine Shodan.

Diese findet weltweit Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, und listet eine Vielzahl sensibler Informationen über diese Geräte auf. Sicher kennen die meisten Leser einschlägige Webseiten, die ungesicherte Webcams finden und tiefe Einblick in das Leben anderer Menschen ermöglichen. Shodan geht einen gewaltigen Schritt weiter. Neben Webcams findet es Geräte, die den Schritt in das Internet der Dinge bereits getan haben. Es handelt sich also um eine Landkarte des Internet of Things, oder, anders ausgedrückt, um ein Adressbuch für Hacker.

So kann man mit etwas technischem Wissen die Schwimmbecken in öffentlichen Bädern zur Verwunderung des Bademeisters leeren, Windräder zum Stillstand bringen, die Daten von Verkehrsüberwachungskameras auslesen, Eishockey-Spielflächen mitten im laufenden Spiel abtauen, über Fernseher ihre Nutzer beim Familienstreit belauschen.

Und möglicherweise sogar das eine oder andere Kernkraftwerk herunterfahren. Bei Letzterem sollte man aber, damit niemand zu Schaden kommt, auf jeden Fall mit äußerster Vorsicht vorgehen. Es sei hier ganz deutlich gesagt: Dies ist absolut nichts für Laien!! Don’t try this at home!

Wie hieß es am Anfang? Eine Welt unbegrenzter Möglichkeiten …