Armut in Deutschland

Armut in Deutschland – das sind in erster Linie nicht die großen persönlichen Schicksalsschläge, sondern es bedeutet unzählige kleine Dramen des Alltags, die mit Hunger, abgestelltem Strom, unzureichender medizinischer Hilfe und der Isolation vom sozialen Leben einhergehen. Ich möchte hier einen Artikel empfehlen, der sich in ungewöhnlich einfühlsamer und verständiger Weise des Themas annimmt.

„Die Armen in Deutschland – dem Tod so nah“, am 24.04.2016 von Marcus Klöckner auf Telepolis.de veröffentlicht, umfasst (ausgedruckt) mehr als 20 Seiten. Die Lesezeit lohnt sich.

Der Autor weiß offensichtlich genau, worüber er schreibt. Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit, angesichts großer Teile der Presse, die sich aus sicherer Position und mit einem wohligen Schauer des Gruselns dem Thema nähern ­­– wie Forscher auf Expedition zu einem wild lebenden unbekannten Dschungelvolk.

Da ist das Märchen von den Leistungseliten, die aus einem von Anfang an unfairen Rennen als selbstgefällige Sieger hervorgehen und sich dazu die passenden gesellschaftlichen Verhältnisse zimmern (lassen). Da ist die nicht gewürdigte Lebensleistung der „Armen“, die von frühester Jugend an so lange gegen widrigste Umstände kämpfen müssen, bis alle Ressourcen ­­– physisch, mental, wirtschaftlich – erschöpft sind. Da ist die willfährige Assistenz linientreuer Ökonomen, die soziale Ungerechtigkeit als Treibstoff des Gemeinwesens preisen. Da ist die sogenannte Mittelklasse, deren Vertreter oftmals – selbst vom Absturz bedroht – Mittellosigkeit als ansteckende Krankheit sehen, um die man den größtmöglichen Bogen machen sollte. Da ist die generelle Verachtung von Armut, die sich schleichend auf ganze Gesellschaftsgruppen, städtische Wohngegenden und Regionen ausdehnt – eine Art von Finanzrassismus. Da sind die unglaublichen – oder muss man sagen unanständigen – privaten Vermögen und eine EZB, die emsig neues Geld aus dem Nichts erschafft; aber wenn es um die Bekämpfung von Armut geht, sind die die angeblichen „Grenzen des Machbaren“ plötzlich erstaunlich eng gefasst.

Jeder kann es schaffen?

Nein, ganz sicher nicht.

Denn Wohlstand ist in Deutschland in allererster Linie eines: erblich.

Und Armut auch.

 

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